Rüttelnder Turmfalke, weiblich, Tempelhofer Feld (© Theodor Koch)
Die auf dem Tempelhofer Feld stets nach Nahrung suchenden Turmfalken sind ein für jedermann sichtbarer und spektakulärer Ausdruck des einzigartigen Lebensraumes Tempelhofer Feld. Im Gegensatz zu Feldlerchen, die nur von Februar bis November hier sind, sind sie ganzjährig das Symbol für diese sehr erhaltenswerte Offenlandschaft mit einem ganz besonderen Ökosystem. Turmfalken sind im Laufe der Evolution in Steppen-, Wüsten- und Halbwüstenlandschaften entstanden, in denen Bäume keine oder nur eine untergeordnete Rolle spielen. Dadurch ist der für Turmfalken so charakteristische Rüttelflug entstanden, weil es eben in ihren Revieren kaum Bäume gab, von denen aus sie ihrer Beute hätten auflauern können. Turmfalken benötigen eine Offenlandschaft mit wenigen Ansitzwarten. Unter schattigen Bäumen könnten sich auch nicht die Nahrungstiere der Turmfalken entwickeln, man denke da nur an das große grüne Heupferd, an Eidechsen oder an die Feldmaus. Würde die Fläche der freien Landschaft reduziert werden, dann würde auch die Population der für das Tempelhofer Feld so charakteristischen Turmfalken zurückgehen. Einmalig ist, und das ist ein großer Glücksfall, dass sich im Herzen der Weltstadt Berlin ein größeres "Wildnis“-Gelände erhalten hat, auf dem die natürliche Entwicklung von Flora und Fauna in der Vergangenheit bis zur Gegenwart so einzigartig stattgefunden hat. Hier wurden, seit die landwirtschaftliche Nutzung im 18. Jahrhundert aufgegeben wurde, die ausgedehnten Wiesenflächen und ihre ökologische Vielfalt weder durch Kunstdünger noch durch Pestizide noch durch Pflügen in landwirtschaftliche Kultursteppe umgewandelt. Auch ist das Tempelhofer Feld ein Musterbeispiel dafür, wie sich trotz jahrelangen Flugbetriebes, trotz Erdaufschüttungen, trotz Abgas-, Feinstaub- und Flugbenzinbelastung, eine so artenreiche Tier- und Pflanzengemeinschaft erhalten konnte. Es kommen hier viele seltene Pflanzen (z. B. Grasnelke), Pilze (z. B. Lilastieliger Rötelritterling), Insekten (z. B. Hauhechel-Bläuling), Reptilien (Zauneidechse) und seltene Säugetierarten (Igel) vor. Vögel, die als Nahrungsgäste auf das Tempelhofer Feld angewiesen sind, sind auch gute und auffällige Zeigerarten für ökologische Vielfalt. Deshalb gibt es bei dieser Führung auch Ausführungen über die Gastvogelarten, von denen wir nur wenige bei dieser Tour wirklich auch beobachten können. Dazu gehören neben den häufigen Nebelkrähen, Elstern, Mauerseglern, Rauch-, und Mehlwalben auch Grünspecht, Mäusebussard, Habicht, Sperber, Kolkrabe, Saatkrähe, Waldohreule, Uferschwalbe, sehr selten Wiedehopf, Kiebitz, Dohle, Sumpfohreule, Rotmilan oder Rohrweihe.