Feldlerche am Tempelhofer Feld (© Theodor Koch)
Ältere Menschen schwelgen in vergangenen Zeiten, als der Gesang der Feldlerche noch allgegenwärtig war. Das kennen nur noch Leute, die etwa vor 1956 geboren sind, denn etwa 1970 hat infolge von Pestizid-, hauptsächlich jedoch Herbizid-Einsatz, Massentierhaltung, maschinellen Anbaumethoden, übermäßigem Düngereinsatz und wegen der Flurbereinigungen das Artensterben in der Feldflur ganz massiv eingesetzt. So haben die Bestände von Feldlerchen, Grauammern und anderen Feldvögeln in den letzten 60 Jahren um 80 bis 99 % abgenommen. Das Tempelhofer Feld ist da eine Ausnahme, hier wurde keine Landwirtschaft betrieben, und das schon seit dem 18. Jahrhundert, kein Kunstdünger angewendet und keine Herbizide eingesetzt. Das Resultat ist ein großflächig erhaltener, sehr artenreicher Offenland-Lebensraum, vor dessen endgültigem „Aus“ wir jetzt stehen, sollten eine Randbebauung oder grundlegende Veränderungen des Wiesenmeeres durchgesetzt werden.
Bei dieser Durchquerung bis zum Anita-Berber-Park, bei der wir eventuell auch Steinschmätzer und Waldohreulen sehen können und viel über Fauna, Flora, deren Wechselbeziehungen, die Bedeutung von Lebensräumen und Pflegemaßnahmen erfahren, möchte ich auch ganz konkret über das Ausmaß und die Folgen von Veränderungen auf dem Feld aufklären. Das ist mir ein ganz besonderes Anliegen. Das Tempelhofer Feld würde nach Bebauung oder nach massiven Baumpflanzungen seine Bedeutung als nächtlicher Kaltluftentstehungsort, als Brutgebiet der Feldlerche und als weltweit einzigartiger innerstädtischer Wiesen-Lebensraum, der als Alleinstellungsmerkmal zum „Eingemachten" (oder sogar zur DNA) Berlins gehört, verlieren.