eine der etwa 500 Feldlerchen vom Tempelhofer Feld (© Theodor Koch)
Die Feldlerchen sind ein für jedermann sichtbarer und spektakulärer Ausdruck des einzigartigen Lebensraumes Tempelhofer Feld, sie sind das Symbol für diese sehr erhaltenswerte Offenlandschaft mit einem Ökosystem im Gleichgewicht, das auch größere Mengen an menschlichen Besuchern mit einbezieht. Die Singvogel-Gattung der Lerchen ist im Laufe der Evolution in Steppen-, Wüsten- und Halbwüstenlandschaften entstanden, in denen Bäume keine oder nur eine untergeordnete Rolle spielen. Dadurch ist der auch für Lerchen so charakteristische Singflug entstanden, weil es eben in ihren Revieren keine Bäume gibt, von denen aus ihr Gesang hätte vorgetragen werden können. Die Feldlerche benötigt eine besonnte Offenlandschaft ohne hohe Bäume oder Gebäude am Horizont. Unter schattigen Bäumen kann sich nicht eine insektenreiche Mikrofauna entwickeln, die als eiweisreiche Nahrung eine absolute Voraussetzung für die Aufzucht der jungen Bodenbrüter ist. Einmalig ist, und das ist ein großer Glücksfall, dass sich im Herzen der Weltstadt Berlin ein größeres "Wildnis" - Gelände erhalten hat, auf dem die natürliche Entwicklung von Flora und Fauna in der Vergangenheit bis zur Gegenwart so einzigartig stattgefunden hat. Hier wurden, seit die landwirtschaftliche Nutzung im 18. Jahrhundert aufgegeben wurde, die ausgedehnten Wiesenflächen und ihre ökologische Vielfalt weder durch Kunstdünger noch durch Pestizide oder durch Pflügen in landwirtschaftliche Kultursteppe umgewandelt. Auch ist das Tempelhofer Feld ein Musterbeispiel dafür, wie sich trotz jahrelangen Flugbetriebes, trotz Erdaufschüttungen, trotz Abgas-, Feinstaub- und Flugbenzinbelastung, trotz so vieler Erholungssuchender und trotz Lärm eine so artenreiche Tier- und Pflanzengemeinschaft erhalten konnte. Es kommen hier viele seltene Pflanzen (z. B. Grasnelke), Pilze (z. B. Lilastieliger Rötelritterling), Insekten (z. B. Hauhechel-Bläuling), Reptilien (Zauneidechse) und seltene Säugetierarten (Igel) vor. Vögel sind jedoch gute und auffällige Zeigerarten für ökologische Vielfalt. Deshalb widmen wir uns auf der Führung besonders den Vogelarten. Neben Turmfalke lassen sich bisweilen auch Mäusebussard, Habicht, Saatkrähe und Kolkrabe blicken. In den Wiesen sind es Feldlerche, Wachtel und Grauammer, in kurzrasigen Flächen der Steinschmätzer, in den Dorngebüschen Neuntöter, Dorngrasmücke, in Lebensräumen mit Gebüschen und höheren Bäumen Nachtigall, Grauschnäpper, Heckenbraunelle, Gelbspötter, Zilpzalp, Stieglitz, Elster, Rotkehlchen und Mönchsgrasmücke. Außerdem gibt es natürlich auch so häufige Arten wie Amsel, Kohl- + Blaumeise, Nebelkrähe und Star. Und wenn man Glück hat, dann kann man in der späten Dämmerung eine Waldohreule bei Ihrem Suchflug nach Feldmäusen beobachten.