Gelbspötter, fotografiert auf Tempelhofer Feld (© Theodor Koch)
Im Gegensatz zu Neuntöter, Dorngrasmücke und Sumpfrohrsänger, die in artenreichen Gebüschfluren unterschiedlicher Zusammensetzung ohne hohe Bäume vorkommen, benötigt der Gelbspötter dichtes Gestrüpp, höhere Büsche und einzelne höhere Bäume, die ihm als Singwarten dienen. Solche Lebensräume (Habitate) kommen auf dem Tempelhofer Feld nur an den Randgebieten vor, wie z.B. beim ehemaligen Schießplatz. Hier kann man im Mai/Juni den lauten Gesang des Gelbspötters, unermütlich vorgetragen von den Spitzen der hohen Robinien, hören. Dieser kleine Singvogel, nur halb so schwer wie ein Spatz, überwintert in Südostafrika, das er nach einer etwa 9000 km langen Reise erreicht. Das Tempelhofer Feld ist nicht nur für Wiesenbrüter wie Feldlerche, Wachtel und Grauammer von höchster Bedeutung, sondern auch für andere Heckenbrüter wie Heckenbraunelle, Nachtigall und Sumpfrohrsänger. Eine so großflächige Gebüschlandschaft, die sich in einzigartiger Vielfalt seit der Schließung des Flughafens durch natürliche Samenausbreitung südlich vom Columbiadamm und vom Friedhof entwickelt hat, gibt es nirgendwo im innerstädtischen Bereich. Sogar Igel, Waldohreule und Grauschnäpper kommen hier vor. Natürlich gibt es auch so häufige Arten wie Amsel, Haussperling, Star, Kohl- und Blaumeise, Stieglitz (Distelfink), Zilpzalp, Ringeltaube, Mönchsgrasmücke, Rotkehlchen, Nebelkrähe und Elster. Auch für durchziehende und rastende Vögel ist diese Gebüschlanschaft sehr wichtig. So konnte ich hier am "Alten Hafen" schon Wiedehopf, Sumpfohreule, Braunkehlchen, Schwarzkehlchen, Baumpieper, Sperber, Habicht, Mäusebussard und Wacholderdrossel beobachten. Es gibt auf dem Tempelhofer Feld viele seltene Pflanzen (z.B. Grasnelke), Pilze (z.B. Violetter Rötelritterling), Insekten (z.B. Hauhechel-Bläuling), Reptilien (Zauneidechse) und auch Säugetiere (Igel, Fuchs, Feldmaus), wobei im Gegensatz zu anderen Tier- und Pflanzengruppen die hier vorkommenden sonstigen Kleinsäuger und Fledermäuse kaum erforscht sind. Vögel sind jedoch gute und auffällige Zeigerarten für ökologische Vielfalt. Deshalb widmen wir uns auf der Führung besonders den Vogelarten, die jetzt eventuell hier zu beobachten sind.